Freitag, 27. Februar 2009

„Ich wasche meine Hände in Unschuld!“



In Deutschland fließt aus der Wasserleitung ein sauberer Strahl Trinkwasser und kein braunes, stinkendes Abwasser. Das ist gut so.

Damit das so bleibt erklärten die Vereinten Nationen den 22. März zum „Tag des Wassers“. Das Motto für dieses Jahr lautet „Water for Health“, auf deutsch „Wasser und Gesundheit“. Wasser ist auf dieser Erde das Lebensmittel Nr. 1. Die Vorräte werden knapper und teurer, das wird zu Verteilungskämpfen führen.
Süßwasser ist ein lebensnotwendiges Element für alles, was auf der Erde lebt, kreucht und fleucht. Deshalb sollten wir jedem Seemann, Süßwassermatrosen und Binnenschiffer, der von seinem Kahn ins Wasser pinkelt, mit dem Entzug des Bootsführerscheins drohen... „Pardon, nun aber Spaß beiseite, es geht jetzt seriös weiter!“

„In unseren Wasserressourcen tickt eine Zeitbombe“, erklärte das Bundesamt für Naturschutz (BfN) zum Tag des Wassers. „Um diese zu entschärfen müssen wir auch mehr Naturschutz an und in unseren Gewässern zulassen...Ziel... ist es, innerhalb von 15 Jahren alle Oberflächengewässer und das Grundwasser wieder näher an natürliche Bedingungen heranzuführen“, so das Fazit des BfN.

Die Kanalisierung der Flüsse und die Belastung der Gewässer mit Nähr- und Schadstoffen aus Industrie, Gewerbe und Landwirtschaft stehen im Widerspruch für eine dauerhafte Versorgung mit Wasser, dem Urelement des Lebens. 

„Ich wasche meine Hände in Unschuld“, sagte Pontius Pilatus und ließ sich eine große (!) Flasche Pellegrini  – was sonst? – über die Hände gießen. „So hat das mit der Wasserverschwendung angefangen, die Verschmutzung kam dann von alleine hinzu!“

Zum Internationalen Tag des Wassers am 22. März gestaltet die Aktion Fischotterschutz e.V. im Otterzentrum in Hankensbüttel (Landkreis Gifhorn) den Tag wieder mit einem reichhaltigen Familienprogramm – besonders für Kinder: Es darf geraten, gespielt und geplanscht werden. Gummistiefel und Kescher sind angeraten.

Dienstag, 10. Februar 2009

Tour de Trance oder Vatertagstour?

Mein Freund Egon war der Prototyp des Antisportlers. Er saß stets mit einer qualmenden Zigarrettenspitze in der linken Hand an seiner Staffelei oder seinem Airbrush-Tisch und kreierte bemerkenswerte und schöne Kunstwerke. Wenn ich ihn ermahnte, sich doch etwas Bewegung an der frischen Luft zu verschaffen, explodierte er wie eine Rakete. Mit größter Wahrscheinlichkeit erhielt ich von Egon die rhetorische Quittung mit einem Zitat von Winston Churchill: „No Sports!“ und er winkte dabei kategorisch mit der Zigarrettenspitze ab.

Eines sonntags nach dem Braten und einem Berg Eiscreme mit Sahne war es mal wieder soweit. Als Mahner in der Wüste empfahl ich mit erhobenem Zeigefinger zumindest einen kleinen Spaziergang. Die Antwort kam wie aus der Pistole geschossen: „No Sports“!

Dann nahm das Gespräch eine plötzliche Wende und wir landeten beim Thema Leistungssport. Wir diskutierten sehr polemisch darüber wie es bei den Marathonläufern zum „Runner’s High“ kommt. Dieser plötzliche Rausch beim Joggen tritt dann auf, wenn der Körper eigentlich am Ende seiner Kräfte ist. Dann geht es im Höhenflug wie unter Strom weiter, die Füße laufen leicht und locker, der Läufer fliegt scheinbar schwerelos dem Ziel entgegen. Der Körper schüttet Endorphine aus, opiumähnliche Stoffe, die das „Runner’s High“ auslösen...

...die Tour de Trance, das sportliche Spritzenereignis des Jahres, das „High“light der Radler ist für die Radprofis so etwas wie für „Normalos“ eine Vatertagstour. Für Egon diente die Tour als schlechtes Beispiel dafür, wie kaputt der Sport macht, nicht nur körperlich, sondern auch mental...

Die dann folgenden langen Auslassungen über den Profiboxsport möchte ich dem geneigten Leser ersparen. Mein Freund Egon und ich arbeiteten noch weitere Stunden an einem Abschluss-Kommunikee zum Thema Sport. Nach 2 Flaschen Wein und 2 doppelte Brandy – pro Person – war das Ergebnis unterschriftsreif:

„Sportler leben nicht länger, sie sterben nur gesünder!“

Samstag, 7. Februar 2009

„No Plan B, no Future?“

Die alte Regel eines überzeugten Pädagogen, „Das Beste erhoffen und das Schlimmste befürchten“, ist eine gute Navigationshilfe in fast allen Situationen auch des modernen Lebens: Ein PEH (Persönlicher Entscheidungs-Helfer) für alles was das Leben an Nettigkeiten und Überraschungen parat hat. Ein PEH ist eine nützliche Installation, die zudem noch kostengünstig im eigenen Kopf untergebracht werden kann. Einfach nur weiterlesen und sich den Text merken. Der Energieverbrauch der Installation hält sich auch in Grenzen.

Anwendungsbeispiel:
Eine deutsche Studentin, die in der englischen Provinz studiert, besucht an einem Wochenende ihre Freundin in London. Dort vergisst sie ihren Reisepass. Es vergehen ein paar Tage, bis sie den Verlust des Dokumentes bemerkt. Nach einem Telefonat bestätigte die Freundin, dass sie den Reisepass gefunden hat. Der Bitte, den Pass per Post nachzusenden, wollte die Freundin aus London unverzüglich nachkommen. Soweit, so gut. Das Beste erhoffen bedeutet in diesem Fall für unsere Studentin: „Das wird schon gutgehen und zeitlich passen. Der Pass wird rechtzeitig bis Freitagfrüh in meine Studentenbude hereingeflogen kommen“. Doch die britische Post oder die Freundin haben versagt, irgendwo schlummerte der Pass sinnlos herum. Plötzlich ergab sich ein Problem, denn unsere sympathische Studentin hatte die Absicht, in Paris mit ihrer Familie zusammenzutreffen, dazu brauchte sie ihren Reisepass.
„No Passport, no Ticket"!

„Das Beste erhoffen“ hat nicht gereicht, manchmal gehört der 2. Teil dazu: „Das Schlimmste befürchten“. Jetzt bemerkt unsere kluge, deutsche Studentin, dass sie ohne Plan B dasteht. Aber damit steht sie in bester Gesellschaft. Wir haben in Deutschland eine ganze Regierung, die schielt ununterbrochen darauf was Obama mit seinem Team in den USA macht und hofft darauf, dass der Führer der westlichen Welt in der Finanz- und Wirtschaftskrise alles richtig macht. Alles wird gut! Wirklich? 

Doch wenigsten ein Mensch befürchtet das Schlimmste und fragt, „was passiert wenn die vergifteten Schulden der kriminellen Banken wie schwarze Löcher die gesamte Zukunft unserer Jugend auffressen? Wer hilft den arbeitslosen Familien wenn das Konjunkturprogramm wirkungslos verpufft und auch Obama es vermasselt?“

Was hat uns unsere Studentin gelehrt: „No Plan B, no Future?“

Mackie Messer schlägt wieder zu

Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank? schreibt Bertolt Brecht 1928 in der Dreigroschenoper. In den goldenen Zwanziger war auch wohl nicht alles in Ordnung, genau so wie heute. Brecht hat die Situation brillant analysiert. Selbst heute in der internationalen Finanzkrise passt das Zitat noch ohne Einschränkung. Um nicht falsch verstanden zu werden: Dies ist kein Aufruf zum Bank-Einbruch.

Doch der Wahnsinn hat Methode. Es gibt Parallelen zwischen der Atomindustrie und dem Bankwesen. Beide sind schlimme Finger. Der lebensbedrohliche radioaktiv verseuchte Atommüll wird genauso wie der Finanz-Sondermüll der Bad Banken nicht von den Verursachern entsorgt. Die entstehenden Kosten werden einmal mehr sozialisiert: die Doofen zahlen immer alles!

Es gibt ein interessantes Buch: Gute Mädchen kommen in den Himmel, böse überall hin. Übertragen auf die Bankkrise heißt das: Gute Banken gibt’s nur im Himmel, böse verwalten dein Erspartes.

Trotz Bankenkrise wird bald Karneval gefeiert und die Jecken im Rheinland werden wieder weinselig grölen: „Wer soll das bezahlen? Wer hat das bestellt? Wer hat so viel Pinke, Pinke? Wer hat soviel Geld?“

Helau und Alaaf.

Mittwoch, 4. Februar 2009

Grüß Gott, Benedikt XVI.

Kleider machen Leute und stärken das Ego. Schon bei den Nazis sollte das schwarze Halstuch bei der Hitlerjugend für das Wir-Gefühl sorgen. Man kann den Gedanken noch dahin gehend vertiefen, dass alle Menschen, die sich aus welchen Gründen auch immer verkleiden, mit Vorsicht zu genießen sind. (Schutzkleidung für Beruf und Sport ausgenommen.)

Nehmen wir zum Beispiel den Nadelstreifen-Anzug des Investment-Bankers, der förmlich um Seriösität bettelt. Die richterliche Robe soll Würde vermitteln. Tut sie das? Die Generalsuniformen auf dem ganzen Globus mit Biesen, Lampassen und dem vollständigen Programm mit Orden und Lametta sind Ausdruck männlicher Eitelkeit und pfauen- und geckenhaft. Der Hauptmann von Köpenick lässt grüßen.

Aber Achtung! Mit der „Ver“-kleidung verfügt der Träger oftmals auch über Macht. Man denke an den Polizisten in Uniform, der die Staatsmacht symbolisiert. 

Ganz schlimm wird es bei den Repräsentanten der Kirche, die fast immer „uniformiert“ durch die Gegend stolzieren. Da ist das kleine dicke Mönchlein in der braunen Kutte, die Nonnen in ihren unpraktischen Pinguinkostümen, die schwarz gekleideten Priester mit ihrem weißen Collarkragen oder deren Brüder im Amte in ihren prächtigen traditionellen Messgewändern.

Aber die Herrscher über die schwarze Priesterschar, die Bischöfe und Kardinäle, präsentieren sich bei Messfeiern protzig in vollem Ornat mit violetter oder schwarzer Soutane, darunter trägt der klerikale Gentleman Alge, Zingulum, Stola und Kasel. In der Hand trägt er den Bischofsstab, der ihn als Schäfer seiner Herde ausweist.

Der absolute Wahnsinn ist jedoch der Aufwand, den der Vaktikan mit der Bekleidung des stellvertreter Gottes auf Erden betreibt. Alle Klamotten, die der Unfehlbare trägt, sind noch protziger als bei den Bischöfen und Kardinälen. Und sein Dienstwagen ist keine einfache „Stretch-Limo“, sondern ein „Papamobil“.

Vorsicht bei soviel Verkleidung. Wenn der Papst bei YouTube oder TV auf Werbetour ist, sollten Sie das Gerät schnellstens ausschalten. Denn dieser konservative Papst will, so glaube ich, die Kirche zurück in die Vergangenheit führen und zerschlägt dabei jede Menge Porzellan. Viele Kirchenaustritte werden folgen. Die Schäflein lassen sich nicht mehr alles bieten.

Am 16. April 1941, seinem 14. Geburtstag, tritt Joseph Ratzinger, der spätere Papst Benedikt XVI., der Hitlerjugend bei und darf stolz das schwarze Halstuch der HJ tragen. Als Papst zieht er die weisse Soutane, Mitra und rote Schuhe vor.

Hiermit rufe ich dem Papst zu: „Grüß Gott!“

Montag, 2. Februar 2009

Je älter, desto kälter?

In der guten alten Zeit konnte man Oma und Opa einfach auf die Ofenbank zur Katze setzen, wenn die gefühlte Temperatur nicht dem individuellen Wohlbehagen der Senioren entsprach. Aber heute, im Zeitalter der Zentralheizung, drehen ältere Menschen und sonstige Kaltblüter die Ventile der Heizkörper auf volle Pulle. Das wiederum führt zu Diskussionsbedarf mit den jüngeren Mitbewohnern, die ihrerseits stets alle Fenster aufreißen, damit frische Luft hereinkommt, die das Atmen wieder ermöglichen soll. Die  Standpunkte der beiden Fraktionen sind nicht zu schlichten. Ernsthafter Streit ist vorprogrammiert: Krieg bis auf die kalten Knochen!

Was kann man tun, wenn man immer friert? 
1. Sich Bewegung verschaffen. Körperliche Aktivitäten produzieren Wärme. Bewegung stärkt zusätzlich die Muskeln und wer viel Muskelmasse hat, kann damit einfacher Wärme produzieren. Eine gute Idee ist zum Beispiel sich ein Ergometer zuzulegen und damit 3-mal täglich zu trainieren. Das hilft Oma und Opa aufs Fahrrad.

2. Eine Unterfunktion der Schilddrüse kann sich durch ständiges Frieren bemerkbar machen. Fragen Sie deshalb ihren Arzt oder Apotheker.

3. Wer bei 19 Grad Raumtemperatur bereits zum Heizkissen, Wollsocken, Winterunterwäsche, heißem Tee und warme Bäder verlangt, sollte nicht gleich alle Heizungsventile auf Höchstleistung stellen, sondern lieber einen Spaziergang an der frischen Luft unternehmen. Das trainiert auch die Senioren. Die berühmten 1000 Schritte wirken manchmal wie ein Wunder, auch bei Frierhippen und Frostbeulen.

Freitag, 30. Januar 2009

Je öller, desto schnöller!

Die Tage des Maya-Kalenders sind gezählt. Die südamerikanischen Ureinwohner haben die Zeit nur bis zum Jahr 2012 vorausberechnet. Und das mit einer Präzision, die unseren Kalender als diletanttisch in die Ecke stellt. Avanti, Dilettanti!

Unser Kalender mit 365 Tagen im Jahr geht auf die Ägypter bis ins dritte Jahrtausend v. Chr. zurück. Doch der war noch so ungenau, dass sich die Jahreszeiten verschoben haben. 45 v. Chr. wurde der julianische Kalender von Julius Cäsar eingeführt, der mit Schalttagen und unterschiedlichen Monatslängen versehen wurde. Der heute in den meisten Teilen der Welt eingeführte Kalender ist der Gregorianische Kalender, 1582 von Papst Gregor XIII. per Dekret eingeführt.

Warten wir bis 2012 und halten den Maya-Kalender fest im Blick, dann werden wir erfahren, ob die Zeit stillstehen bleibt oder noch schneller davon rennt als heute.

Warum aber empfindet der Mensch mit zunehmendem Alter, dass die Zeit immer schneller vergeht? Eine amerikanische Freundin hat mir das vor Jahren einmal für mich plausibel erklären können. „Für ein 4-jähriges Kind sind 1 Jahr 25% der bisherigen Lebenszeit. Für einen 50-jährigen Zeitgenossen sind dagegen 1 Jahr lediglich 2%. Bei einem 100-jährigen nur noch 1%.“ 

Je älter wir werden, desto schneller vergeht die Zeit, stimmt das? Je öller, desto schnöller!

Donnerstag, 29. Januar 2009

Lotto ist was für Traumtänzer

Die Wahrscheinlichkeit im Lotto den Jackpot zu knacken – das heißt 6 richtige Gewinnzahlen und zusätzlich die Superzahl– beträgt 1 zu 140 Millionen. Ungefähr die gleiche Chance, wie die berühmt-berüchtigte Nadel im Heuhaufen zu finden. Aber wer etwas finden will, der muss erst einmal suchen.

Wer sein Leben verändern will, sollte sich erst einmal Zielklarkeit darüber verschaffen, was er will und wohin die Reise in die Zukunft gehen soll. Mit Geld allein – auch nicht mit einem Jackpot – endet der Lebensweg ohne Kompass und ohne klare Philosophie im Chaos. Daran ändert dann auch die Luxusyacht, die Prolex, der Ferrari und die Villa im Grünen rein garnichts. Deshalb sind auch so viele Lotto-Millionäre pleite gegangen. Geld alleine macht nicht glücklich...

Aber im Krankheitsfall ist es schon beruhigend, wenn man von seinen Millionen die privaten Arztrechnungen und bei einer eventuellen Operation die Chefarztbetreuung bezahlen kann. Das beruhigt.

Im Übrigen gilt nach wie vor die alte Bauernregel aus dem niedersächsischen  Flachland: „Lieber jung, reich und gesund als alt, arm und krank!“

Mittwoch, 28. Januar 2009

Geld verdirbt den Charakter

Robert Gilbert schrieb 1950 ein bemerkenswertes Buch mit dem Titel „Meckern ist wichtig, nett sein kann jeder”. Seitdem die Finanz- und Wirtschaftskrise uns alle im Griff hat, ist nichts mehr so wie früher, als man noch in den Kategorien Gute und Böse dachte. Da waren auf der einen Seite die bösen Kommunisten in Bolivien, Kuba und der Sowjetunion sowie das schrecklich erfolgreiche „rote“ China mit seinem Staatskapitalismus. Auf der anderen Seite standen die guten Protagonisten der freien Marktwirtschaft, die Kapitalisten, die gebetsmühlenhaft – wie Westerwelle –dem Staat rieten, die Finger aus der Wirtschaft herauszuhalten, weil der freie Markt alles wie von Geisterhand alleine regeln würde: „Alles wird gut!“

Jetzt, nach der Wirtschaftskrise läuft alles anders, neue Regeln bestimmen das Spiel. Die verzockten Milliarden – Dollar & Euro – der ach so seriösen Banker wurden einfach sozialisiert. Die verspielten Billionen bezahlen dann eben in Zukunft die Steuerbürger, Banken werden teilweise verstaatlicht und  ganze Wirtschaftszweige wie die Automobil- und Luftfahrtindustrie werden subventioniert.

Aber Geld und Moral passen nicht zusammen: Geld verdirbt den Charakter!
Echte Kapitalisten haben nichts aus der Finanzkrise gelernt. Beispiel: Siemens-Chef Peter Löscher verdiente im vergangenen Jahr 9,8 Millionen Euro. Sein Vorgänger erhielt nur die Hälfte.

Obwohl sich der Wert der Siemensaktie im letzten Jahr halbiert hat, und der Konzern wegen der Korruptionsaffäre in Deutschland und den USA eine Strafe von 1,2 Milliarden Euro zahlen musste, genehmigte sich der Siemens-Aufsichtsratchef Gerhard Cromme einen Zuschlag auf seine Bezüge von 157 Prozent... Hat die Elite der deutschen Manager, die Ackermänner & Zumwinkels aus der Finanz- und Wirtschaftskrise etwas gelernt? Man kann sich garnicht genug aufregen, deshalb: „Meckern ist wichtig!“

Dienstag, 27. Januar 2009

Konjunktur-Programme: Valentinstag & Karneval


Der Valentinstag schwappte in den fünfziger Jahren aus den USA zu uns herüber –  wie die  Finanzkrise heute. Während es in Amerika eine Tod-Konsum-Sünde und ein Scheidungsgrund ist, wenn es ein Ehemann am Valentinstag – immer am 14. Februar – vergisst, seine Ehefrau mit Blumen zu beschenken. Ersatzweise dürfen es auch ein 6-Zylinder-Cabrio, ein 1-Karäter oder rote Dessous sein. 

In Deutschland feiern „nur“ 25%, in England 45% und in Frankreich 55% der Bevölkerung den Valentinstag. Wir verschenken in Deutschland noch jede Menge Umsatz,  der sich im Floristikbereich locker verdoppeln ließe. Für eine PR-Kampagne von Fleurop wird der Staat, der den armen Banken und der notleidenden Industrie bereits unter die Arme gegriffen hat, wohl auch noch ein paar lächerliche Milliarden Euros locker machen. Oder? Also, nichts wie hin in die Blumenläden. Ein Schelm, wer da gleich an Heuschrecken denkt...

Was dem Valentinstag recht ist, sollte dem Karneval billig sein, speziell dem Rosenmontag (dieses Jahr am 23. Februar). Der Karneval ist in der Tat ein grandioses Konjunkturprogramm für Tourismus, Hotelerie und Gastronomie. Alle Hotels sind ausge- bucht und in den rheinischen Kneipen regiert nicht nur der Fohsinn – täätää, täätää, täätää! – sondern es läuft wirklich was: Altbier und Kölsch fließen in Strömen und ganz nebenbei klingeln die Kassen: Helau! Alaaf! Übrigens, im katholischen Köln ist Helau verpönt, weil es mit Halleluja verwechselt werden könnte. Ha, ha, ha...

In Düsseldorf, Köln und Mainz wird, anders als bei uns, an den 3 tollen Tagen gefeiert bis der Notarzt kommt. Dabei beim Rosenmontagsumzug sind tausende braun geschminkte Indianer oder Hula-Babys mit freiem Oberkörper und einer zitternden Ganz-körper-Gänsehaut: Ein Konjunkturprogramm für Not leidende Mediziner. – Das nennt sich dann „Patientensolidarität“! Von den Rheinländern lernen, heißt siegen lernen – täätää, täätää, täätää! 

Rheinischer Humor: Treffen sich am Faschingssamstag zwei Ziegen in Niedersachsen. Sagt die eine: „Kommste mit zu ’ner Karnelvals- party?“ Sagt die andere: „Nö, hab keinen Bock.“

Montag, 26. Januar 2009

Hermann der Cherusker als Wahlhelfer?

Das alte Jahr ist Geschichte. Zum Wort des Jahres 2008 wurde von der Gesellschaft für deutsche Sprache das Wort „Finanzkrise“ gewählt.

Was wird uns das neue Jahr bescheren? Die Wirtschaftsweisen jedenfalls prognostizieren uns nichts Gutes. Aber auch andere Kaffeesatzleser, Wahrsager oder Politiker, niemand, der ehrlich ist, weiß, was uns das Jahr 2009 bescheren wird.

2009 ist ein Super-Wahljahr. Am 7. Juni wird das Europaparlament und am 27. September der Bundestag neu gewählt. Darüberhinaus wählt der Souverän – das bist Du und ich – fünf neue Landtage. Hinzu kommen 8 Kommunalwahlen und außerdem tritt am 23. Mai die Bundesversammlung zusammen, um den Bundespräsidenten zu wählen. Wetten, dass Köhler wiedergewählt wird?

In 2009 brennt aber auch ein Feuerwerk der Gedenktage ab: 20 Jahre Mauerfall, 60 Jahre Bundesrepublik, 70 Jahre Zweiter Weltkrieg und last, but not least 150 Jahre Kaiser Wilhelm Zwo. Das absolute Highlight in diesem Jahr ist das Gedenken an die Schlacht im Teutoburger Wald im Jahre 9 n. Chr. Die Schlacht zwischen Römern und Germanen die zum Urknall der deutschen Geschichte hochstilisiert wurde, jährt sich zum 2000. Mal.

Hier noch einmal die Fakten: Im Jahre 9 n. Chr. verloren 3 römische Legionen des Quintilius Varus nicht nur eine Schlacht gegen Arminius (Hermann der Cherusker), sondern sie wurden vernichtend geschlagen. Joseph Viktor von Scheffel (1826 — 1886) schrieb zu diesem weltverändernden Ereignis ein gar lustig Lied:

Als die Römer frech geworden, Sim serim sim sim sim sim,
Zogen sie nach Deutschlands Norden, Sim serim sim sim sim sim,
Vorne mit Trompetenschall, Te rä tä tä tä te rä, Herr Quintilius Varus,
Refrain: Wau, wau, wau, wau, wau, Herr Quintilius Varus,
Schnäde räng täng: Schnäde räng täng, de räng täng täng.

Wie wär’s, wenn die Kanzlerin Merkel im Wahlkampf dem Regierungschef Berlusconi in Rom beim nächsten Treffen kondoliert – „sorry, wegen der 3 Legionen“ – und von einem Männerchor der Bundeswehr ein schmissiges Ständchen des obigen Liedgutes zum Vortrag bringen würde?