Mein Freund Egon war der Prototyp des Antisportlers. Er saß stets mit einer qualmenden Zigarrettenspitze in der linken Hand an seiner Staffelei oder seinem Airbrush-Tisch und kreierte bemerkenswerte und schöne Kunstwerke. Wenn ich ihn ermahnte, sich doch etwas Bewegung an der frischen Luft zu verschaffen, explodierte er wie eine Rakete. Mit größter Wahrscheinlichkeit erhielt ich von Egon die rhetorische Quittung mit einem Zitat von Winston Churchill: „No Sports!“ und er winkte dabei kategorisch mit der Zigarrettenspitze ab.
Eines sonntags nach dem Braten und einem Berg Eiscreme mit Sahne war es mal wieder soweit. Als Mahner in der Wüste empfahl ich mit erhobenem Zeigefinger zumindest einen kleinen Spaziergang. Die Antwort kam wie aus der Pistole geschossen: „No Sports“!
Dann nahm das Gespräch eine plötzliche Wende und wir landeten beim Thema Leistungssport. Wir diskutierten sehr polemisch darüber wie es bei den Marathonläufern zum „Runner’s High“ kommt. Dieser plötzliche Rausch beim Joggen tritt dann auf, wenn der Körper eigentlich am Ende seiner Kräfte ist. Dann geht es im Höhenflug wie unter Strom weiter, die Füße laufen leicht und locker, der Läufer fliegt scheinbar schwerelos dem Ziel entgegen. Der Körper schüttet Endorphine aus, opiumähnliche Stoffe, die das „Runner’s High“ auslösen...
...die Tour de Trance, das sportliche Spritzenereignis des Jahres, das „High“light der Radler ist für die Radprofis so etwas wie für „Normalos“ eine Vatertagstour. Für Egon diente die Tour als schlechtes Beispiel dafür, wie kaputt der Sport macht, nicht nur körperlich, sondern auch mental...
Die dann folgenden langen Auslassungen über den Profiboxsport möchte ich dem geneigten Leser ersparen. Mein Freund Egon und ich arbeiteten noch weitere Stunden an einem Abschluss-Kommunikee zum Thema Sport. Nach 2 Flaschen Wein und 2 doppelte Brandy – pro Person – war das Ergebnis unterschriftsreif:
„Sportler leben nicht länger, sie sterben nur gesünder!“
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